NEWS: "botanica" als Buch (Verlag Kettler)

 

 

Eine Hommage an die moderne Hauspflanze mit einem Text von Martin Hochleitner

 

 

Hardcover

180 Seiten

Juni 2022 

15 × 18 cm, de/en
978-3-86206-975-0

 

32  €

 

 


 

Die Hauspflanze, die so manchem Städter als Gartenersatz dient, erfreut sich seit einigen Jahren neuer Beliebtheit. Die einst als Inbegriff der Spießigkeit verschriene Schwiegermutterzunge etwa hat eine regelreichte Renaissance erfahren und längst ihren Weg von den verstaubten Amtsstuben der Republik in die Wohnzimmer der Hipster gefunden.

Im Rahmen ihres Projekts botanica inszeniert Gerlinde Miesen- böck seit 2012 jene Hauspflanzen vor einem weißen Leinentuch, die als domestizierte Natur die Wohnungen ihrer Freund:innen be- völkern. Dabei erinnern die mit einer Großformatkamera geschos- senen Aufnahmen an historische Glasnegative, mit denen Wissen- schaftler und Botaniker einst ihre Entdeckungen und Züchtungen dokumentierten.

 

In ihrer nüchternen Darstellung knüpft Miesenböck an die Ästhetik der Neuen Sachlichkeit und deren inhaltlich, formal, technisch und apparativ geprägtes Nachdenken an, vor allem an die zahlreichen Pflanzenaufnahmen eines Karl Blossfeldt. Durch ihre thematische Konzentration und formale Fokussierung erzielt Miesenböck so eine spezielle, weil auch typologische Wirkung des Motivs und spielt geschickt mit der anachronistischen Brechung ihrer Aufnahmen.

 

House plants have made a comeback in recent years, serving as a ersatz garden for urbanites. The mother-in-law’s tongue, for instance, long spurned as a symbol of the petit bourgeoisie, is experiencing
a renaissance and has long found its way from the stuffy offices of public-sector employees to hipsters’ living rooms.

For her project entitled botanica, which she began in 2012, Gerlinde Miesenböck has been photographing house plants against the backdrop of a white linen sheet. Taken with a large-format camera, her snapshots of this domesticated part of nature that she found in her friends’ homes are reminiscent of historical glass plate nega- tives that were used by the scientists and botanists of yore to docu- ment their discoveries and cultivated species.

Their plain setting recalls the aesthetics of Neue Sachlichkeit with its reflective approach in terms of subject matter, form, technique, and tools, as exemplified by Karl Blossfeldt’s numerous plant photo- graphs. Through her thematic and formal focus and her skillful play with the anachronistic refraction of the images, Miesenböck manag- es to create a peculiar effect, not least because her treatment of the motif constitutes a typology of sorts.

 

(Text & Foto oben: Verlag Kettler) 

 

Supported by: Ö Bundeskanzleramt, OÖ Kultur, Steiner Stiftung, Otto Mauer Fonds